Kurzinfo: Richtig suchen im Internet

Klicksafe und Internet-ABC haben einen neuen Ratgeber veröffentlicht, um Eltern bei der Förderung von Medienkompetenz zu unterstützen. Darin lernen die Erwachsenen eine Menge über Suchmaschinen und bekommen gleichzeitig zahlreiche praktische Übungen für Kinder und Jugendliche mitgeliefert. Der Ratgeber kann unter dem Namen „Richtig suchen im Internet!“ kostenlos auf der Webseite von klicksafe.de heruntergeladen werden.

Kurzinfo: ‚No Hate Speech‘

Ein Zusammenschluss von 35 Partnern aus Zivilgesellschaft und Politik tritt seit dieser Woche mit neuer Webpräsenz gegen Hass im Internet an. Im ‚No Hate Speech Movement Deutschland‘ wird vor allem das gemeinsame Vorgehen gegen Hass im Netz propagiert. Dort finden Jugendliche unter Schlagworten wie „Kontern statt schweigen!“ oder „Wir sind laut, wir sind viele, wir sind gegen Hass im Netz.“ zahlreiche Memes, Videos und Sachinformationen, um sich gemeinsam gegen Trolle und Hater zu wehren. Statt übertrieben mit dem pädagogischen Zeigefinder zu winken, wird das Wissen so vermittelt, dass es Jugendliche verstehen und nutzen können.

asshass

TED-Talk: “How the dark net is going mainstream”

Jamie Bartlett, Direktor des Centre for the Analysis of Social Media, beschreibt in seinem TED-Talk verborgene Internet-Subkulturen im sogenannten Darknet – ebenso wie die Entwicklung des Darknets zu einem im Mainstream ankommenden Kommunikationsraum.

Wer die Inhalte dieses Videos gerne vertiefen möchte, kann das in Bartletts Buch The Dark Net beim Verlag Random House im Original tun oder zur deutschen Übersetzung beim Plassen Verlag greifen, die im letzten Jahr erschienen ist. Zudem findet sich auf einer begleitenden TED-Seite ein interessanter Artikel über moralische Aspekte der Forschung über das Darknet (wie das Video in englischer Sprache); seine aktuellen Forschungsinteressen sind über Bartletts aktuelle Beiträge auf dem Blog seines Think Tanks fortlaufend nachzuverfolgen.

(Sollte es zu Darstellungsproblemen des eingebetteten Videos kommen, kann es auch direkt auf der TED-Seite von Bartlett angesehen werden.)

Trolle zähmen leicht gemacht

Der folgende Beitrag wurde von meiner Frau Franziska Robertz verfaßt und war im letzten Oktober einer der Preisträger des ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerbs. Mit herzlichem Dank an den Initiator des Wettbewerbs auf ScienceBlogs, Florian Freistetter, darf ich Ihnen den dort publizierten Beitrag auch im CybercrimeBlog ans Herz legen:

Trolle sind seltsame Kreaturen. Sie ähneln äußerlich normalen menschlichen Wesen, doch wenn sie anfangen zu kommunizieren, dann entspinnt sich ihre dunkle Magie. Die heile Welt von Blogs und Foren wird durch eintreffende Trolle urplötzlich der Wirklichkeit entrückt. Schnell breitet sich Furcht und Abscheu in den Herzen der dort Anwesenden aus. Jede Ordnung kommt zum Erliegen.
Trolle lieben diesen Moment, denn sie ernähren sich von den daraus entstehenden Gefühlen. Sie weben Geschichten – und wenn ein naiver User diesen Geschichten Aufmerksamkeit schenkt, dann ist es um ihn geschehen. Die Augen der Trolle beginnen zu leuchten und ihr Herz rast vor Freude, denn nun können sie Emotionen aus dem armen Opfer herauspressen und sich daran laben. Und tief in ihrem Inneren wissen sie: dies ist ein guter Ort voller Trollnahrung – hierhin komme ich zurück. Immer und immer wieder.
Natürlich wissen Sie längst, dass wir hier nicht über die haarigen Gesellen sprechen, die unter Brücken schlafen und Träume als Wegzoll fordern, nicht von grauenhaften Höhlentrollen in den Minen von Moria und auch nicht von kartoffelnasigen Wesen aus Norwegen, die Menschenkinder aus ihrem Bettchen stehlen, um stattdessen ihr eigenes hineinzulegen. Nein, das Exemplar, um das es uns hier geht ist weit gefährlicher. Es ist der gemeine Internet-Troll.

Bild: Jan Hammershaug, CC-BY 2.0

Von Anfang an war er da. Schon als die ersten internetbasierten Gemeinschaften in Form von Chats, Foren und Newsgroups die ersten Worte fanden, war auch der Troll anwesend. Und je weiter sich die Sozialen Medien wie Twitter, Facebook & Co. und die damit einhergehende Gesprächigkeit der Mitwirkenden vergrößerten, desto wohler fühlte sich der Troll. Mit jedem neuen Beitrag und jedem neuen Gesprächsbeginn erschien ihm seine Nahrung sicherer. Jedes Gespräch, in das er sich einmischen konnte, und jede Aufmerksamkeit, die ihm dabei zuteil ward, waren potentielle Leckerbissen für ihn. Und doch: Trolle können auch selbst gejagt werden. Verwegene Wissenschaftler haben es sich auf die Fahnen geschrieben, diese Ungetüme zu erforschen. Und je intensiver Trolle agieren, desto mehr kann die Wissenschaft über ihre Verhaltensweisen und ihren Wohlfühlraum erfahren. Das Verhalten der Trolle wird so mit der Zeit einschätzbar, der Umgang mit ihnen leichter und im Idealfall können Wege eröffnet werden, Internet-Trolle unschädlich zu machen. Weiterlesen

Tolle Technik tragen birgt Tücken

Die Internationale Funkausstellung (IFA), die jährlich in den Messehallen unter dem Berliner Funkturm stattfindet, erlaubt als eine der profiliertesten Industriemessen einen guten Einblick zu Trends im Bereich der Unterhaltungs- und Gebrauchselektronik. Die aktuellen Entwicklungen zeigten in diesem Jahr neben hochauflösenden und gewölbten Fernsehbildschirmen vor allem erste Schritte hin zu einem „Internet der Dinge“.

Die Entwicklung, dass in Gegenstände eingebettete, miniaturisierte Computer Menschen unauffällig bei ihren alltäglichen Tätigkeiten unterstützen sollen und dabei in die Infrastruktur des Internets integriert sind, wird bereits in vielen Bereichen deutlich. So werden Sensoren für Kraftfahrzeuge, über Wifi kontrollierte Waschmaschinen oder auch gleich in den Menschen implantierte und mit dem Internet verbundene Gegenstände genutzt – wie etwa Schrittmacher, die die Tätigkeit des menschlichen Herzens überwachen. Eine vor 10 Monaten publizierte Studie geht davon aus, dass im Jahr 2020 bereits 26 Milliarden Gegenstände in das Internet der Dinge integriert sein werden.

Auf der IFA wurde der Trend insbesondere im Bereich der so genannten Wearables deutlich. Diverse Sensoren sind dabei direkt in Kleidungsstücke eingearbeitet und senden ihre Informationen während sie am Körper des Benutzers befestigt sind. In jüngster Zeit machten in diesem Bereich vor allem Google Glass und die iWatch von sich reden.

IFA 2014: Wearables
IFA 2014: Wearables

Die neue Technik erlaubt positive und faszinierende Möglichkeiten. Weiterlesen

Alle Hacker tragen Kapuzenpullis …

… signalisiert jedenfalls der heute im Kino angelaufene deutsche Film „Who am I – Kein System ist sicher“ –  und zeichnet den Hauptprotagonisten dann auch gleich noch als Abziehbild eines Ritalin wie Bonbons schluckenden Außenseiters mit schwerer Kindheit.

Aus beruflichem Interesse habe ich mir die Preview des „Hacker-Films“ angesehen und einen Film mit Licht und viel Schatten erlebt. Schon die vom Cinemaxx in München live eingespielten Schauspieler ließen Zweifel an der inhaltlichen Qualität aufkommen. Sie sollten von Moderator Steven Gätjen eigentlich zum Film interviewt werden. Viel mehr als ein „Ich wollte halt mal Popcorn-Kino machen“ von Hauptdarsteller Tom Schilling erfuhr der Zuschauer dabei leider nicht – so verbrachte man die folgenden 45 Minuten des Interviews mit Belanglosigkeiten zu Filmvorlieben der Darsteller. Einzig die Anmerkung Wotan Möhrings, es werde im Film zum ersten Mal wirklich gezeigt, wie ein Hack funktioniere, ließ Hoffnung aufkeimen. Konnte der Film die vollmundige Versprechung einlösen? Ist er auch für ein Fachpublikum interessant?

Teils, teils, muss wohl die Antwort lauten. Zwar werden Hacker nicht wie in zahlreichen Hollywoodstreifen quasi als Helden mit magischen Fähigkeiten dargestellt, doch immer wieder rauft man sich bei den Dialogen sanft die Haare. So hört man etwa als Antwort auf die Frage, wie man sich denn in den Uniserver gehackt habe, es sei ein Zero-Day-Exploit genutzt worden – woraufhin der Frager erstaunt ausruft: „Ach, Du kannst Maschinensprache?“
Auch sehr schön (aus der Erinnerung zitiert): „Das Zeugenschutzprogramm ist wirklich ein Programm – Du hast 3 Minuten Zeit es zu hacken!“ Aber immerhin gelingt es dem Film recht gut, die Relevanz des Social Engineering hervorzuheben. Und das ist für einen Kinofilm dann gar nicht so übel dargestellt.

Filmisch werden mit interessant erdachten Kunstgriffen Handlungen im Darknet symbolisiert und die Interaktion der stark überzeichneten Hackertypen weiß zumindest im ersten Drittel des Films einige herzhafte Lacher hervorzurufen. Auch die Spannung kann der Film über weite Strecken aufbauen und halten. Seinen eigentlichen Zweck erfüllt er damit zumindest. Um sich jedoch ein realistisches Bild von Hacking und Hackern zu verschaffen, taugt er dann doch nicht. Hier bleibt der Cyberstreifen in Schillings Sinn eben nur ein weiterer netter Popcornfilm.

Die beste Wahl, um sich einen Eindruck vom breiten Spektrum der Hacker zu verschaffen, bleibt damit für Akademiker erwartungsgemäß das Hacker Profiling Project von 2008 und seine aktuelle Ausprägungsform „HPP 2.0“. Einen weiteren Einblick bietet auch die im August von der Sicherheitsfirma Thycotic durchgeführte Befragung von 127 Hackern auf der Konferenz BlackHat 2014. Sollten Sie sich noch nicht intensiv mit diesen Studien auseinandergesetzt haben, ist jetzt die Zeit, das schnellstens nachzuholen.

SWATting: Trittbrettfahrer 2.0 ?

Es war eigentlich ein ruhiger Videospieleabend, den ein 17-jähriger Junge in Long Island/NY mit einem Onlinegame der Call of Duty-Reihe zubrachte – doch plötzlich belagerten mehr als 60 Polizeibeamte und Spezialeinsatzkräfte das Haus der Familie. Ein besiegter Spielgegner hatte per Skype die Polizei angerufen, sich als jener Junge aus Long Island ausgegeben und mitgeteilt: „Ich habe gerade meine Mutter getötet und erschieße vielleicht noch weitere Menschen.“

Dies war in den letzten Monaten keineswegs der einzige Fall irregeleiteter Einsatzkräfte. Michael Tangney, Commissioner der Polizei von Long Beach, äußerte CBS New York gegenüber, es sei geradezu eine Epidemie. Er berichtete sogar von Internet-Highscores für Fehlalarme, die eine besonders hohe Polizeireaktion bewirkt hätten – bislang konnte ich jedoch keinen Beleg für seine Aussage finden. Belegbar ist allerdings zumindest Zeitungsberichten zufolge, dass gerade verärgerte Videospieler eine wichtige Gruppe dieser Fehlalarme auslösender Täter zu sein scheinen.

Auch aus früheren Jahrzehnten sind natürlich Bombendrohungen oder Anschlagsdrohungen bekannt, die von meist jugendlichen Trittbrettfahrern begangen werden. Diese jungen Menschen haben in aller Regel keinerlei reales Interesse daran, andere Menschen zu schädigen. Sie wollen vielmehr „etwas erleben“, „Macht ausüben“ oder auch einen Tag schulfrei erwirken. Nutzten die Täter jedoch früher das Telefon, bedienen sie sich nun modernerer Techniken. Sie nutzen als Kommunikationswege etwa identitätsverschleiernde Computersoftware, Einweg-Mobiltelefone, anonymisierende Apps, Caller ID Spoofing und unterstützend gezieltes Social Engineering, um die Behörden zu manipulieren und dabei unerkannt zu bleiben.

Und mitunter finden sie erheblichen Gefallen daran: so konnte kürzlich ein einzelner 16-jähriger Jugendlicher aus Ottawa identifiziert werden, dem 30 Vorfälle zur Last gelegt werden – allerdings lagen seine Ziele nicht im heimischen Kanada, sondern im benachbarten Nordamerika. Im April hatte er seine Taten sogar über Twitter als Service angeboten: „want someone swatted? Tweet me their name, address and I’ll make it happen.”

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Sichtenweisen zu Sicherheit bei „Digital Natives“

Das in Mailand beheimatete Tech and Law Center ist ein interdisziplinär strukturiertes Forschungszentrum, das Wissenschaftler von verschiedenen italienischen Universitäten vereint. Erforscht werden dort in erster Linie digitale Technologien und ihr Bezug zu Recht und Gesellschaft. Heute werden die Forscher dieses Zentrums dem Europäischen Parlament ihren neuesten Forschungsbericht vorstellen. Er trägt den Namen „Security of Digital Natives“ und setzt sich mit dem Verantwortungsbewußtsein junger Studenten für deren eigene Online-Sicherheit auseinander.

Eine wichtige Erkenntnis des Projektes ist es, dass sich ein Sicherheits- und Verantwortungsbewußtsein bei jungen Menschen auch dann nicht quasi von selbst einstellt, wenn sie mit digitalen Medien aufgewachsen sind. So verzeichnen die Wissenschaftler bei vielen befragten Studenten einen gravierenden Mangel an Wissen über die Anwendung von Schutzmöglichkeiten, ebenso wie einen mangelnden Willen bekannte Möglichkeiten zu nutzen, insofern die Schutzlösungen nicht technisch besonders einfach gehalten sind. Mit dem Hinweis, dass heutige Universitätsstudenten in Zukunft führende Positionen in unserer Gesellschaft bekleiden werden, fordern sie deren umfassende Vorbereitung auf einen gelingenden Schutz vor Gefahren im Internet. Hier helfen technische und gesetzliche Möglichkeiten, jedoch auch sozialwissenschaftlich-präventive: Die jungen Menschen müssen dazu motiviert werden, sich verantwortungsvoll um ihren Online-Schutz zu kümmern. Auch für die deutsche Hochschullandschaft sollte dies ein zukunftsrelevanter Aspekt sein.

Das unten eingefügte Video zeigt nur einen kurzen Promo-Einblick in die Forschungsergebnisse. Online findet sich jedoch auch eine ausführlichere 13-minütige Vorstellung der Ergebnisse, sowie eine 10-minütige Darstellung mit Fokus auf technische Aspekte und eine 7-minütige Darstellung zu rechtlichen Aspekten dieser Studie. Für Forscher ist natürlich der Bericht selbst interessant. Die 53 Seiten umfassende Studie hat im pdf-Format allerdings eine Größe von 10 MB. Dennoch: der Download lohnt sich.

App für Amokläufe?

Ob das wirklich so eine gute Idee war? „The app that could stop killers in classrooms“ titelt PoliceOne heute und weist auf die Entwicklung einer Smartphone-App hin, die Reaktionen auf sogenannte Active Killer (bewaffnete Gewalttäter im Tötungsmodus) beschleunigen soll. Dabei zielt das Programm in erster Linie auf School Shooter ab – also auf solche Täter, die in Deutschland meist als „jugendliche Amokläufer an Schulen“ bezeichnet werden.

Die begleitende Webseite School Guard beschreibt, wie die App funktionieren soll: Für einen einmaligen Beitrag von 2.500 Dollar und Folgekosten von 99 US-Dollar pro Monat können Schulen ihre Lehrer und Schulbediensteten mit dieser App ausstatten. Auf deren Smartphones wird dann ein Panikknopf installiert, der bei Aktivierung automatisiert einen Notruf wählt und alle in der Nähe befindlichen Polizeibeamten aller Jurisdiktionen informiert. Die Werbung für die App weist aus, dass es dabei egal sei, ob sich die Beamten im Dienst befinden oder nicht, verschweigt aber, dass die für Polizisten kostenlose App auch auf deren Handys installiert sein muss. Zudem würden von der App alle anderen Lehrer der betreffenden Schule informiert und der Ort des ursprünglichen Notrufs auf der App abgebildet. Doch der Teufel steckt im Detail, denn der Täter wird sich aller Voraussicht nach zum Zeitpunkt des Eintreffens von Helfern nicht mehr am Ort des abgesetzten Notrufs befinden – vielleicht sogar selbst nie dort gewesen sein.

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