Hacker im Film

Neben der direkten Vermittlung von Wissen im Unterricht kann die Faszination an kriminologischen Themen auch auf popkulturellen Wegen gefördert werden. Beispielsweise bieten sich sinnvoll geleitete kriminologische Diskussionen über Filme an, um die Bedeutung und Alltagstauglichkeit kriminologischer Theorien und Sichtweisen (mit freiwillig zusätzlich zum regulären Unterricht teilnehmenden Studenten und Auszubildenden) zu verdeutlichen. Aus diesem Grund starteten Frau Prof. Dr. Bernhardt und ich vor einem Jahr kriminologisch-psychologische Filmeabende an unserer Hochschule. Thema des letzten Filmeabends waren Hacker.

Nach einer 2010 publizierten Studie von Damien Gordon werden 70% der in Spielfilmen auftauchenden Hacker in den letzten Jahrzehnten als Helden dargestellt … unabhängig davon, ob ihre filmischen Handlungen legal waren oder nicht. Bieten sie sich darum als Identifikationsfiguren für Jugendliche an? Sind Hacker cool und Hacks Kavaliersdelikte? Und wie sieht es mit Hacktivisten und sympathisierenden jugendlichen Usern aus … verbergen sich hinter entsprechenden Gruppierungen Horden von rücksichtslos vandalisierenden Trollen (Versenden schwarzer Faxe, DDoS-Angriffe auf missliebige Ziele), Vigilanten des Internets (Aktionen gegen Kinderpornografie oder Drogenkartelle), Rebellen gegen herrschende Machtsysteme (Proteste gegen Behördenfehler und die Machtmissbrauch durch Großkonzerne) oder eher Egozentriker, die ihre Fähigkeiten missbrauchen, um Aufmerksamkeit zu erregen und „Spaß“ zu haben (Verleumdungsaktionen, gezielte Provokationen)? Und welche präventiven und repressiven Möglichkeiten hat in diesem Kontext die Polizei?

Kriminologischer Filmeabend an der FHPolBB
Kriminologisch-psychologische Filmeabende an der FHPolBB

Zur kriminologischen Beschäftigung mit solchen Themen bieten sich naturgemäß spannende großangelegte Studien wie etwa das Hacker’s Profiling Project (HPP) an. Die Auswahl von Spielfilmen zum Thema Hacking erscheint jedoch aus vielerlei Gründen begrenzt. Beispielsweise steht die Darstellung von Hackern als Menschen mit quasi magischen Fähigkeiten, die sich an eine beliebige Tastatur setzen und innerhalb einer Minute das Netzwerk des Verteidigungsministerium hacken (siehe etwa „Password Swordfish“), in allzu deutlichem Kontrast zur Realität. Filmische Darstellungen der Vorgehensweisen von Hackern sorgen daher häufig für ungewollte Heiterkeit und heftige Facepalm-Anfälle – was der Lernwirkung natürlich nicht gerade förderlich ist. Mithin bleiben für Filmeabende mit Studenten und Auszubildenden zwei Möglichkeiten: Entweder es gelingt einen Film zu finden, der zumindest in der Beschreibung der Hacks nicht zugunsten einer zuschauerfreundlichen Darstellung völlig fehlerhafte Beschreibungen verwendet oder man nutzt bewußt eine Komödie, die nicht den Anspruch auf eine adäquate Darstellung hat, jedoch diskussionwürdige Inhalte bietet.

Ein Hoffnungsträger für die erste Lösung bietet derzeit die Golden-Globe-prämierte Amazon-Prime-Serie Mr. Robot, die in drei Wochen auch als DVD erhältlich sein wird. Hacker werden nicht gottgleich, sondern als technisch versierte Menschen dargestellt und Einfallsvektoren wie etwa Social Engineering kommt bei ihrer Tätigkeit eine angemessen hohe Bedeutung zu. Zwar erfüllt der Protagonist Elliot allerlei Klischees und seiner Gedankenwelt zu folgen erweist sich manchmal als etwas mühsam, aber dafür ist die Art der filmischen Darstellung sehr kreativ (der Zuschauer dient z.B. als imaginärer Ansprechpartner) und gesellschaftskritische Themen wie der Alltag in sozialen Netzwerken, die Macht von IT-Großkonzernen, Hacktivisten oder die Problematik totaler Überwachung werden ansprechend und für filmische Massstäbe recht realitätsnah vermittelt. Somit regt Mr. Robot zum Nachdenken und Diskutieren an.

Für den Filmeabend nutzten wir jedoch zunächst die zweite Möglichkeit und griffen auf den deutschen Spielfilm Who am I zurück. Insbesondere an der plakativen Darstellung der Figuren gibt es viel zu kritisieren, aber die Story macht dank gut aufgelegter Schauspieler und einer gelungenen filmischen Umsetzung Spaß. Dabei nimmt sich der Film nie zu ernst, sodass man ein paar allzu gewollt wirkende philosophische Einlagen oder simplifizierte technische Darstellungen verzeihen kann. Läßt man sich auf die filmische Methapher von Internetforen als U-Bahn-Wagen ein, in denen sich Avatare zur Kommunikation begegnen und dabei auch mal einen Trojaner als Modell eines Trojanischen Pferdes überreichen, dann macht die Darstellung ein Gefühl von Bedrohung und Misstrauen aber auch Möglichkeiten deutlich, was einen guten Gesprächseinstieg für Diskussionen erlaubt. Zumindest an unserem Filmeabend verlief diese Diskussion über das Image von Hackern in Filmen und Realität, Unterschiede in Motivlagen und Vorgehensweisen von realen Hackern und Positionierungsoptionen für polizeiliche Reaktionen angeregt und gehaltvoll.

Während beim nächsten Filmeabend am 30. März mit Hilfe von Falling Down verschiedene Formen von Gewalt thematisiert werden und am 3. Mai die Spezialeinatzkräfte mit S.W.A.T. zu Wort kommen, wird am 5. Juli Inside Wikileaks gezeigt werden. Für Leser des Cybercrime-Blogs ein ebenfalls sehr spannendes Thema. Wir freuen uns daher auf hoffentlich zahlreiche Teilnehmer und spannende Diskussionen … und ja: es gibt natürlich auch Popkorn.

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