Mit Public Health Ansätzen Cybersicherheit fördern

Im Oktober 2014 findet zum dritten Mal der von der EU ausgerufene Europäische Monat der Cyber-Sicherheit statt (European Cyber Security Month, ECSM). Mit verschiedenen Aktionen auf europäischer und nationaler Ebene verfolgt der ECSM das Ziel, “sich für die Cybersicherheit unter Bürgern einzusetzen, deren Wahrnehmung von Cyberbedrohungen zu verändern und aktuelle Sicherheitsinformationen durch Bildung und Vermittlung von bewährten Praxislösungen bereitzustellen”. Die Autoren Svenja Post und Alexis Below vom Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) in Potsdam nehmen dies zum Anlass, um für eine bessere ‚digitale Hygiene‘ und eine stärkere analoge Heranziehung von Entwicklungen aus dem Gesundheitsbereich im Allgemeinen zu plädieren:

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In der öffentlichen Debatte um Cybersicherheit spielt die Verbildlichung von Zusammenhängen und Herausforderungen im Cyberraum eine große Rolle. Analogien und Metaphern aus verschiedenen Forschungsdisziplinen und Themenfeldern werden herangezogen, um Wirkungszusammenhänge zu veranschaulichen und Handlungsstrategien abzuleiten. Metaphern dienen dabei auch der emotionalen Mobilisierung und Sensibilisierung. Gleichwohl vereinfachend, beeinflussen sie doch unser Denken und final auch unser Handeln. Bilder vom „Cyberkrieg“, „Cyber-Pearl Harbor“, „Cyber-9/11“, „Cyber-Blackout“, „Cyber-Kollaps“ wurden beschworen, haben den medialen Diskurs national wie international in den letzten Jahren dominiert und damit die Bedrohungswahrnehmung von öffentlichen wie privaten Akteuren wesentlich beeinflusst. In ihrer handlungsleitenden Wirkung können derartige Analogien aber auch irreführend und kontraproduktiv sein. Insbesondere das Heranziehen von Kriegs- und Katastrophenmetaphern als Referenzpunkte für die Analyse kollektiver oder individueller Cybersicherheit scheint häufig unangemessen, um die vielschichtigen Herausforderungen und wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Individuum, Wirtschaft und Staat adäquat beschreiben und Lösungsansätze entwickeln zu können (kritische Beiträge zur Kriegs-Metaphern gibt es z.B. von Peter W. Singer und Noah Shachtman, Thomas Rid und Eric Gartzke).

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