Safer Internet Day 2017

Heute findet auf Initiative der Europäischen Kommission der jährliche Safer Internet Day mit Veranstaltungen und Aktionen in über 120 Ländern statt. Das Motto lautet diesmal Be the change: Unite for a better internet. Deutschland fokussiert in diesem Jahr vor allem auf das Thema Cybermobbing – aus diesem Anlass lohnt sich der Blick auf zwei neue Projekte von Klicksafe:

Zum einen startet Klicksafe heute die Stop Mobbing-Woche, zu der eine eigene Aktionsseite nebst Social-Media-Kampagne, (Mitmach)Aktionen, Videos und Download-Material online gestellt wurde. Zum anderen erscheint heute auch das neue Modul Was tun bei (Cyber)Mobbing?, das sich mit vereintem Exertenwissen aus Gewaltprävention und Medienpädagogik auf über 200 Seiten systemisch mit Intervention und Prävention zum Thema Cybermobbing in der Schule auseinandersetzt. Das sehr empfehlenswerte Heft bietet  konkrete Ansatzpunkte sowie Handwerkszeug für Schulen und steht auf der Webseite von Klicksafe zum kostenlosen Download bereit.

Kurzinfo: ‚No Hate Speech‘

Ein Zusammenschluss von 35 Partnern aus Zivilgesellschaft und Politik tritt seit dieser Woche mit neuer Webpräsenz gegen Hass im Internet an. Im ‚No Hate Speech Movement Deutschland‘ wird vor allem das gemeinsame Vorgehen gegen Hass im Netz propagiert. Dort finden Jugendliche unter Schlagworten wie „Kontern statt schweigen!“ oder „Wir sind laut, wir sind viele, wir sind gegen Hass im Netz.“ zahlreiche Memes, Videos und Sachinformationen, um sich gemeinsam gegen Trolle und Hater zu wehren. Statt übertrieben mit dem pädagogischen Zeigefinder zu winken, wird das Wissen so vermittelt, dass es Jugendliche verstehen und nutzen können.

asshass

Mit Public Health Ansätzen Cybersicherheit fördern

Im Oktober 2014 findet zum dritten Mal der von der EU ausgerufene Europäische Monat der Cyber-Sicherheit statt (European Cyber Security Month, ECSM). Mit verschiedenen Aktionen auf europäischer und nationaler Ebene verfolgt der ECSM das Ziel, “sich für die Cybersicherheit unter Bürgern einzusetzen, deren Wahrnehmung von Cyberbedrohungen zu verändern und aktuelle Sicherheitsinformationen durch Bildung und Vermittlung von bewährten Praxislösungen bereitzustellen”. Die Autoren Svenja Post und Alexis Below vom Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) in Potsdam nehmen dies zum Anlass, um für eine bessere ‚digitale Hygiene‘ und eine stärkere analoge Heranziehung von Entwicklungen aus dem Gesundheitsbereich im Allgemeinen zu plädieren:

BIGS Logo

In der öffentlichen Debatte um Cybersicherheit spielt die Verbildlichung von Zusammenhängen und Herausforderungen im Cyberraum eine große Rolle. Analogien und Metaphern aus verschiedenen Forschungsdisziplinen und Themenfeldern werden herangezogen, um Wirkungszusammenhänge zu veranschaulichen und Handlungsstrategien abzuleiten. Metaphern dienen dabei auch der emotionalen Mobilisierung und Sensibilisierung. Gleichwohl vereinfachend, beeinflussen sie doch unser Denken und final auch unser Handeln. Bilder vom „Cyberkrieg“, „Cyber-Pearl Harbor“, „Cyber-9/11“, „Cyber-Blackout“, „Cyber-Kollaps“ wurden beschworen, haben den medialen Diskurs national wie international in den letzten Jahren dominiert und damit die Bedrohungswahrnehmung von öffentlichen wie privaten Akteuren wesentlich beeinflusst. In ihrer handlungsleitenden Wirkung können derartige Analogien aber auch irreführend und kontraproduktiv sein. Insbesondere das Heranziehen von Kriegs- und Katastrophenmetaphern als Referenzpunkte für die Analyse kollektiver oder individueller Cybersicherheit scheint häufig unangemessen, um die vielschichtigen Herausforderungen und wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Individuum, Wirtschaft und Staat adäquat beschreiben und Lösungsansätze entwickeln zu können (kritische Beiträge zur Kriegs-Metaphern gibt es z.B. von Peter W. Singer und Noah Shachtman, Thomas Rid und Eric Gartzke).

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Zombies, Spione und Terroristen: PCs außer Kontrolle

Das Cybercrime_Blog wird nicht nur durch Forscher und Lehrende unserer Hochschule getragen. In den nächsten Wochen werden wir auch eine Reihe von Beiträgen unserer Studenten veröffentlichen. Den Anfang macht heute PKA Stefan Mertinatsch mit seinem Beitrag zu Bot-Netzwerken:

Diesen Blogbeitrag hat ein Mensch geschrieben. Mit den eigenen Händen auf einer Tastatur. So selbstverständlich wie sich das zunächst liest, ist es gar nicht: Haben Sie schon E-Mails erhalten, in denen Sie aufgefordert wurden, eine nicht zuzuordnende Rechnung zu bezahlen oder einen Link anzuklicken, um ein sensationelles Angebot zu erhalten, das ganz speziell für Sie gemacht wird? Glauben Sie nicht, dass Ihnen derlei Aufforderungen immer ein Mensch geschickt hat. Zumindest nicht direkt. Der Absender war zumeist ein Zombie.
Wenn Sie sich jetzt ein hirnlos dahintaumelndes, menschenähnliches Wesen mit entstellten Gesichtszügen und Hunger auf Fleisch vorstellen; sorry, ich muss Sie enttäuschen. Es handelt sich vielmehr um einen ferngesteuerten Computer, den man im Fachjargon auch Bot oder Zombie nennt. Solche unter fremder Kontrolle stehenden Computer können riesige Netzwerke bilden. Man spricht dann von Botnets bzw. Bot-Netzen. Allein in Deutschland waren im Jahr 2010 nach Angaben des Internet Security Threat Report von Symantec bereits ca. 470.000 Rechner Teil eines solchen Bot-Netzwerkes. Botnetze können dabei aus nur wenigen Tausend oder auch aus mehreren Millionen Rechnern bestehen. Die generelle Relevanz von Bots für das Internet kann man anhand des Bot Traffic Reports von Incapsula erahnen. Hieraus geht hervor, dass Bots im Dezember 2013 bereits für ca. 61,5% des Datenaufkommens im Internet verantwortlich waren. Direkt von Menschen gesteuert ist nur ein gutes Drittel des Internetverkehrs. Allerdings zählt Incapsula nicht nur Zombie-Botnetze, sondern auch Suchmaschinen – doch immerhin gut 30% der Bots haben gemäß Incapsula die Absicht, Schaden anzurichten.

Doch wie wird ein Computer zu so einem Zombie? PCs laufen ja in der Regel nicht durch die Gegend und beißen sich gegenseitig in die Netzteile. Ein PC wird durch einen Zombie auf die gleiche Art und Weise infiziert, wie bei herkömmlicher Malware: Die Bot-Software steckt z.B. in infizierten Raubkopien beliebter Programme, wird über Sicherheitslücken im Browser eingeschleust, als vermeintlich nutzbringendes Programm zum Download angeboten oder auch unter einem Vorwand als Mail-Anhang verschickt.

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Let’s start a Bystander Revolution

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Gewaltprävention. Dabei sind mir hunderte von Projekten begegnet. Einige scheiterten, einige benötigten noch etwas Feintuning und einige funktionierten wunderbar. Und ab und zu begegnen mir Projekte, die mich schlicht und einfach anhaltend begeistern. Im Bereich der Vermeidung von Cybercrimes in sozialen Medien ist zum Beispiel Klicksafe  ein solcher Lichtblick. Diese Kampagne im Auftrag der Europäischen Kommission leistet seit Jahren hervorragende Arbeit zur Förderung von Kompetenz im Umgang mit Internet und neuen Medien. Durch mittlerweile reichhaltige Erfahrung, exzellente Teambesetzung und präzise ausgearbeitete Materialien für Eltern und Lehrer ist Klicksafe in der Lage, eine erhebliche Verbesserung der Sicherheit im Umgang mit dem Internet zu bewirken.

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Während Klicksafe bereits einige Jahre der Weiterentwicklung erleben konnte, entdeckte ich heute ein erst vor wenigen Wochen online gegangenes Projekt, dass mich ebenfalls auf Anhieb fasziniert hat: BystanderRevolution.org. Die Webseite beschäftigt sich mit der Prävention von (Cyber-)Mobbing. Zu den Hintergründen von Cybermobbing habe ich seit 2006 einige Artikel verfasst – in den letzten Jahren erschienen zudem gute internationale Studien, um das Phänomen noch besser beschreiben zu können. BystanderRevolution will indes nicht die Hintergründe von Cybermobbing erforschen, sondern einen Beitrag dazu leisten, Opferwerdungen zu verhindern.

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