Moderne mobile Forensik für Strafverfolgungsbehörden – Teil 4

(Vierter Teil des Beitrages „Moderne mobile Forensik für Strafverfolgungsbehörden“ von Herrn Marko Rogge:)

Zugriffe auf soziale Netzwerke und Cloud-Dienste

Der Zugriff auf Internetdienste wie z.B. GMail (E-Mail Dienst von Google), Dropbox (Datenablagedienst, Cloud), Facebook (Social Network) oder auch Twitter (Micro-Bloggingdienst) gestaltet sich erfahrungsgemäß als sehr problematisch. Oftmals sind die Benutzernamen oder Passwörter der Accounts von Beschuldigten nicht bekannt. Für Ermittler ist es somit oft schwierig, an Daten zu gelangen, die in solchen Internetdiensten gespeichert werden. Entsprechende Beschlüsse für den Zugriff auf diese Internetdienste bieten den rechtlichen Rahmen, um diese Daten beschlagnahmen zu lassen. Die Umsetzung ist jedoch nicht immer unproblematisch, wenn entsprechende Dienste die Daten außerhalb des Zugriffs der europäischen oder deutschen Justiz vorhalten. In enger Zusammenarbeit mit Ermittlern ist der israelischen Firma Cellebrite Ltd. eine Möglichkeit des Zugriffs auf solche Daten gelungen. Ausgehend von der Fülle der Daten, die z.B. in einem Smartphone gespeichert werden, sollte es somit möglich sein, auch einen Zugriff auf Daten aus sozialen Netzwerken zu erhalten. Ein weiterer Grund für die Entwicklung dieser Software war, dass man mit einem Smartphone einen gegenwärtigen Datenstand erhalten kann, der mit dem ersten Einschalten eines Smartphones beginnt und mit dem Datum der Extraktion endet.

Cloud Analyzer – Timeline
Cloud Analyzer – Timeline

Wie aber verhält es sich, wenn das Smartphone sechs Monate vor dem Extrahieren vollständig zurückgesetzt wurde und keine Daten aus den sozialen Netzen mehr vorhanden sind, weil diese nicht vollständig synchronisiert wurden? Weiterlesen

App für Amokläufe?

Ob das wirklich so eine gute Idee war? „The app that could stop killers in classrooms“ titelt PoliceOne heute und weist auf die Entwicklung einer Smartphone-App hin, die Reaktionen auf sogenannte Active Killer (bewaffnete Gewalttäter im Tötungsmodus) beschleunigen soll. Dabei zielt das Programm in erster Linie auf School Shooter ab – also auf solche Täter, die in Deutschland meist als „jugendliche Amokläufer an Schulen“ bezeichnet werden.

Die begleitende Webseite School Guard beschreibt, wie die App funktionieren soll: Für einen einmaligen Beitrag von 2.500 Dollar und Folgekosten von 99 US-Dollar pro Monat können Schulen ihre Lehrer und Schulbediensteten mit dieser App ausstatten. Auf deren Smartphones wird dann ein Panikknopf installiert, der bei Aktivierung automatisiert einen Notruf wählt und alle in der Nähe befindlichen Polizeibeamten aller Jurisdiktionen informiert. Die Werbung für die App weist aus, dass es dabei egal sei, ob sich die Beamten im Dienst befinden oder nicht, verschweigt aber, dass die für Polizisten kostenlose App auch auf deren Handys installiert sein muss. Zudem würden von der App alle anderen Lehrer der betreffenden Schule informiert und der Ort des ursprünglichen Notrufs auf der App abgebildet. Doch der Teufel steckt im Detail, denn der Täter wird sich aller Voraussicht nach zum Zeitpunkt des Eintreffens von Helfern nicht mehr am Ort des abgesetzten Notrufs befinden – vielleicht sogar selbst nie dort gewesen sein.

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