Tolle Technik tragen birgt Tücken

Die Internationale Funkausstellung (IFA), die jährlich in den Messehallen unter dem Berliner Funkturm stattfindet, erlaubt als eine der profiliertesten Industriemessen einen guten Einblick zu Trends im Bereich der Unterhaltungs- und Gebrauchselektronik. Die aktuellen Entwicklungen zeigten in diesem Jahr neben hochauflösenden und gewölbten Fernsehbildschirmen vor allem erste Schritte hin zu einem „Internet der Dinge“.

Die Entwicklung, dass in Gegenstände eingebettete, miniaturisierte Computer Menschen unauffällig bei ihren alltäglichen Tätigkeiten unterstützen sollen und dabei in die Infrastruktur des Internets integriert sind, wird bereits in vielen Bereichen deutlich. So werden Sensoren für Kraftfahrzeuge, über Wifi kontrollierte Waschmaschinen oder auch gleich in den Menschen implantierte und mit dem Internet verbundene Gegenstände genutzt – wie etwa Schrittmacher, die die Tätigkeit des menschlichen Herzens überwachen. Eine vor 10 Monaten publizierte Studie geht davon aus, dass im Jahr 2020 bereits 26 Milliarden Gegenstände in das Internet der Dinge integriert sein werden.

Auf der IFA wurde der Trend insbesondere im Bereich der so genannten Wearables deutlich. Diverse Sensoren sind dabei direkt in Kleidungsstücke eingearbeitet und senden ihre Informationen während sie am Körper des Benutzers befestigt sind. In jüngster Zeit machten in diesem Bereich vor allem Google Glass und die iWatch von sich reden.

IFA 2014: Wearables
IFA 2014: Wearables

Die neue Technik erlaubt positive und faszinierende Möglichkeiten. Beispielsweise könnten von der iWatch aufgezeichnete Gesundheitsdaten gleich dem Hausarzt zur Verbesserung der Diagnostik vorgelegt werden. Doch eine derart revolutionäre Technik bedeutet stets auch überraschende Nebenwirkungen und die Möglichkeit des Missbrauchs. Eine im Juli veröffentliche Studie von HP zeigte auf, dass derzeit 70% der vernetzten Gegenstände des Internets der Dinge Sicherheitsmängel aufweisen. HP identifizierte dabei in den Top 10 der meistgenutzten Gegenstände im Durchschnitt nicht weniger als 25 Sicherheitslücken je Produkt. Auch auf den großen Sicherheitskonferenzen Black Hat und Defcon wurden zahlreiche Schwachstellen der aktuellen Produkte präsentiert. Insbesondere über die Notwendigkeit, bekannt werdende Sicherheitslücken der Wearables mit Sicherheitsupdates zu stopfen macht sich derzeit noch kaum jemand Gedanken.

Die entsprechende Technik ist also derzeit keineswegs so intelligent, wie sie eigentlich sein sollte. Dabei ist die konstante potentielle Ablenkung von der täglichen Arbeit oder auch von der eigenen Familie noch das geringste Problem. Höchst persönliche Informationen über die eigenen Körperfunktionen oder aktuelle Tätigkeiten werden in Sekundenbruchteilen bewusst kopiert, unbewusst verbreitet, weiterverkauft oder auch aus Datenbanken gestohlen. Diese Daten werden für effektiveres Marketing genutzt, können aber auch eine leicht umzusetzende Totalüberwachung gewährleisten, die sozusagen für jeden mit handelsüblichen Mitteln möglich wird. Statt der aktuell kursierenden gehackten Nacktselfies von Stars können demnächst leicht zu erlangende persönlichste Daten von Jedermann dazu dienen, Essvorlieben zu kritisieren, Joggingstrecken zu analysieren oder Versicherungen bzw. Jobangebote abzulehnen.

Es wird also höchste Zeit sich intensiv mit dieser Thematik zu beschäftigen. Eine gute Gelegenheit hierzu bietet der Internet-of-Things-Kongress an der TU München in Garching. Dort werden am 7. Oktober 2014 wichtige Fragen zu Sicherheit und Standards des Internets der Dinge hinterfragt.

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