25 Jahre World Wide Web

Im März 1989, also vor exakt 25 Jahren, reichte Tim Berners-Lee bei CERN einen visionären Entwurf für ein neuartiges Kommunikationssystem ein, das den weltweiten Austausch zwischen Wissenschaftlern vereinfachen sollte. Sein damaliges Schriftstück Information Management: A Proposal wurde zunächst von seinem Vorgesetzten leicht zurückhaltend als vague, but exciting kommentiert – doch schon im August 1991 wurde auf Basis dieser Überlegungen eine erste Fassung des weltweiten Informationsaustauschs von Wissenschaftlern über vernetzte Computer Realität. Der Grundstein für das World Wide Web war gelegt und trat spätestens im September 1993 einen wahren Siegeszug an. Der leicht zu bedienende Mosaik-Browser erlaubte es damals endlich auch Laien, problemlos mit dem neuen Medium umzugehen. Bis heute hält der Popularitätssturm des WWW an und bescherte Berners-Lee seither unter anderem 11 Ehrendoktorwürden und weltweite Hochachtung.


In der aktuellen britischen Ausgabe der WIRED bezeichnet Berners-Lee das WWW als eine radikal offene, egalitäre und dezentralisierte Plattform, deren Potential sich gerade erst zu zeigen beginnt (Ausgabe März 2014, 88ff.). In diesem Sinne erfährt sogar Angela Merkels mittlerweile als Meme im Internet verankerte Ausspruch des letzten Jahres („Das Internet ist für uns alle Neuland“) eine gewisse Prägnanz, denn das WWW befindet sich weiterhin in einer ständigen Bewegung, Selbsterneuerung und Ausbreitung. Es fordert somit zur kontinuierlichen Auseinandersetzung und fortwährender Neuorientierung auf. Ein spannenderes Forschungsfeld – und Blogthema – ist mithin kaum vorstellbar.

Doch nicht nur die politischen Machtinhaber unterschätzten das Internet lange Zeit. Auch die Kriminologie hat die Relevanz dieses Mediums über Jahre ignoriert oder bestenfalls darauf hingewiesen, dass sich klassische kriminologische Theorien mit der Erklärung von Cybercrime schwer tun. Tatsächlich stellt es ein komplexes Unterfangen dar, überhaupt zu definieren, was Cybercrime ist, geschweige denn, welche Rolle eine cyberkriminologische Forschung und Theoriebildung einnehmen sollte. In den letzten Jahren haben jedoch einige Forscher neue Wege beschritten und sich intensiv mit der Rolle des Internets für die Kriminologie auseinandergesetzt. Besonders erwähnenswert ist in diesem Rahmen das International Journal of Cybercrime, das im nunmehr siebten Jahr Studien und Theorien der Cyberkriminologie publiziert. Auch eine Handvoll sehr guter Buchpublikationen hat mittlerweile das Licht der Welt erblickt. Höchste Zeit also, dieses Wissen auf einer breiten Basis auch für die kriminologische Diskussion in Deutschland nutzbar zu machen.

Zur besseren Verständlichkeit wird dieser Blog zumeist in deutscher Sprache geführt werden. Es wäre allerdings verschenktes Potential, sich alleine auf den deutschen Sprachraum zu beschränken und die Grenzenlosigkeit des Internets mit einer räumlich-sprachlichen Barriere zu versehen. Daher sollen auch englischsprachige Beiträge von internationalen Gästen hier gebloggt (und zur Erleichterung der Sprachbarriere mit einem deutschen Abstract verbunden), sowie internationale Hinweise gepostet werden.

Wir hoffen auf angeregte Diskussionen und auf eine intensive Nutzung der Informationen in der Praxis.

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