WhatsApp, Facebook und Moral Panic

Die Übernahme des Instant Messaging-Dienstes Whatsapp durch Facebook schlug im Februar hohe Wellen. Sowohl in den internationalen Medien als auch in der Netzgemeinde verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Der spektakuläre Kaufpreis von 19 Milliarden Dollar sorgte dabei jedoch weniger für Aufsehen, als die allgemeine Besorgnis, nun endgültig die Kontrolle über die eigenen Daten zu verlieren. Whatsapp-User, die bislang nicht bei Facebook waren, befürchteten die „zwangsweise“ Anmeldung in dem Sozialen Netzwerk. Verbreiteten die allgemein bekannten Sicherheitslücken bislang allenfalls einen faden Beigeschmack bei der Nutzung des kostengünstigen und ergonomischen Dienstes, so kam es infolge der Übernahme durch Facebook zu einem regelrechten Wechselhype. Eine Moral Panic, also eine Massenhysterie, schien zu entstehen, begründet durch die Übernahme eines erfolgreichen Dienstes mit offenkundigen Sicherheitslücken durch einen erfolgreichen Konzern mit offenkundigem Interesse an persönlichen Daten.
Über Nacht verzeichnete der bislang eher unbekannte, aber als sicher geltende, Dienst Threema sechsstellige Zuwächse bei den Nutzern. Auch der von den Gründern des „russischen Facebook“ V-Kontakte stammende Dienst Telegram meldete starke Zuwächse.
Was ist nun von diesem Hype geblieben? Die Antwort geben die aktuellen Geschäftszahlen von WhatsApp: Der Dienst wächst genauso schnell weiter, wie zuvor. In Deutschland nutzen ihn mittlerweile 31 Millionen Menschen. Sie teilen Nachrichten, Bilder und Kontakte in unveränderter Frequenz mit einem globalen Konzern.
Einfacher Zugang, unkomplizierte Kommunikation mit Freunden und niedrige Kosten wurden vor der Übernahme höher bewertet als Sicherheitsbedenken und werden es offensichtlich auch weiterhin – auch wenn der Beigeschmack nun noch etwas fader sein dürfte (und sollte). Einzig die wachsende Popularität von Diensten, die zumindest in ihrem Selbstbild Datensicherheit einen hohen Stellenwert einräumen, dürfte als positive Entwicklung verzeichnet werden.

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